"Das Zimmer" ist der erste Teil einer Familienchronik. Andreas Maier beginnt ganz vorn, bei seinen frühesten Erinnerungen, die alle in der hessischen Wetterau spielen, die meisten Erinnerungen haben mit seinem "Onkel J." zu tun. Der Onkel ist von Geburt an geistig behindert, also "mit einem Bein noch im Paradies stehend", imaginierter Handwerker und Mechaniker. Onkel J. bewohnt ein Zimmer im Haus seiner Mutter, wo sich auch der Neffe Andreas häufig aufhält, und aus diesem Zimmer strömt meist ein muffiger Geruch, denn Onkel J. wäscht sich nicht gern. Dafür fährt er mit großer Freude seinen VW-Variant, am liebsten hält er damit vor seiner Stammkneipe an, mürrisch schimpfend führt er aber auch Botenfahrten für die Familie aus.
Maier beschreibt großartige Szenen und erweitert sie um die Erzählung von so manchem, was in seiner Heimat sonst noch passiert ist, bevor die Ortsumgehung kam.
Heimatroman? Familienchronik? Erinnerungsprosa?
Wie man es auch nennen mag: Es macht großen Spaß, dieses Buch zu lesen!
Kain macht sich nach dem Mord an seinen Bruder Abel aus dem Staub und wird immer wieder Zeuge der Grausamkeit und der Willkür Gottes. Manche biblische Szenen: Abraham, der seinen Sohn opfern soll, die Vernichtung Sodom und Gomorrha, der Fluch über Jeremias Stamm, werden vom Autor neu geschrieben mit Kain als Zeuge und dem Gott des alten Testaments auf der Anklagebank. Unerschrocken stellt Kain Gott zur Rede, aber mit Vernunft ist diesem nicht beizukommen.
Ein, wie ich fand, großes ketzerisches Lesevergnügen!
Gelesen und empfohlen von Monique Saulnier
Lissabon im 16. Jahrhundert. Der indische Elefant Salomon soll als Geschenk an den Habsburger Kaiser über Valladolid in Spanien nach Wien überführt werden. Diese spektakuläre Reise, die tatsächlich stattgefunden haben soll, nutzt der Autor, um uns aus der Sicht des indischen Elefantenpflegers auf höchst amüsante Weise die gesellschaftlichen und kirchlichen Machtverhältnisse in Portugal und Spanien, zu einer Zeit, in der die Inquisition wütet, vor Augen zu führen.
Mit liebevoller Ironie karikiert er die Mächtigen der damaligen Zeit mit ihren Höflingen und zeigt manche Parallele mit der heutigen Zeit auf.
Eine genüssliche, elegante Satire von einem scharfsichtigen Beobachter. Sehr empfehlenswert!
Samt Frau und Kindern ist Joakim Westin von Stockholm nach Åludden gezogen, einem einsamen Hof auf der Insel Öland.
Man freut sich auf das neue Leben und lässt sich nicht durch die Inselbewohner stören, auch wenn diese Åludden mit düsteren Erzählungen in Verbindung bringen.
Joakim fährt eines Tages nach Stockholm um zurückgebliebenen Hausrat zu holen.
Auf dem Rückweg erhält er einen Anruf von einer Polizistin, die ihm mitteilt seine Tochter Livia sei im Meer ertrunken ...
Dunkle Zeiten brechen für die junge Familie an.
Johan Theorin hat einen düsteren, atmosphärisch dichten Roman geschrieben und verwebt auf eindrucksvolle Weise Krimi, Familiengeschichte und Schauerroman.
Ideal geeignet für lange, kalte Winternächte
Lange lag dieses zuerst 1919 in den USA erschienene Buch nicht in deutscher Übersetzung vor, nun wurde der Text von Sherwood Anderson, auf dessen Könnerschaft sich etliche moderne amerikanische Autoren berufen, endlich neu übersetzt!
Stück für Stück, Charakter für Charakter erstellt Anderson hier das Bild eines in der amerikanischen Provinz liegenden fiktiven Städtchens. Da ist Alice, die seit Jahren auf die Rückkehr ihrer Jugendliebe aus der Großstadt wartet, die schöne Helen, in die sich viele Männer verlieben, oder der Lehrer Biddlebaum, der seine Hände zu verbergen versucht… Zusammengehalten werden alle Erzählstränge durch die Figur des George Willard,- der Lokalreporter Winesburgs muss Geschichten für seine Zeitung sammeln, und in der Zeitung wollen die Einwohner am liebsten über sich selber lesen, also vertrauen sie sich ihm an.
Dieses Buch ist kein Roman, sondern „eine Reihe Erzählungen aus dem Kleinstadtleben Ohios“, wie es der Untertitel erklärt. Doch alle Augenblickaufnahmen zusammen ergeben ein gewaltiges, präzises und sehr gut lesbares Porträt einer Kleinstadt, in der etliche erstaunliche Biografien gefangen gehalten werden. Klarsichtig, schlicht und schön: Ein Meisterwerk!
Weil er klein ist und nicht so schön und weil er einen komischen Hut trägt, wird der kleine Onkel von den anderen Menschen gemieden. Die dummen Onkel stellen ihm ein Bein, die dummen Hunde knurren ihn an, abends liegt er allein im Bett und weiß nicht, was er tun soll. „Ich bin doch so nett“, denkt er. Noch einmal fasst er sich ein Herz und hängt in der Umgebung Zettel auf: „Kleiner einsamer Onkel sucht einen Freund“. Zehn Tage später bekommt er tatsächlich Besuch! Ein freundlicher Hund stellt sein Leben auf den Kopf …
Ein ganz zauberhaftes Bilderbuch-Kleinod, illustriert von Eva Eriksson („Die besten Beerdigungen der Welt“).
Die alte Chemda liegt auf ihrem Bett. Sie weiß, dass ihr Leben zu Ende geht und erinnert sich an ihre Kindheit im Kibbuz am See, an ihren strengen Vater, an ihre unglückliche Ehe und an ihre Kinder Dina und Avner. Ihr geliebter Sohn Avner ist zum Anwalt der Rechtlosen geworden und leidet sowohl in seiner Ehe wie in seinem Beruf unter einer tiefen Unzufriedenheit. Als er zufälliger Zeuge einer Abschiedsszene im Krankenhaus wird, verfällt er einer Obsession: Er muss das Paar wiederfinden, dessen Liebe ihn so beeindruckt hat.
Dina durchlebt eine Krise: Ihre 15-jährige Tochter Nizan, der sie immer sehr nahe stand, wirkt plötzlich kühl und abweisend. Ihr Mann Gideon, der als Fotograf viel unterwegs ist, scheint ihre Traurigkeit darüber nicht zu verstehen. Als sie sich in den Kopf setzt, einen Jungen zu adoptieren, um ihr leben mit Sinn zu erfüllen, stellen sich Gideon und Nizan quer.
Alle Protagonisten ringen mit sich und mit Schuldgefühlen. Alle sehnen sich nach Liebe, nach einem erfüllten Leben, und trauern um verpasste Gelegenheiten, die sie zu spät erkannt haben.
Ein sehr schönes Buch, das von den Dialogen lebt, die jede Figur im Stillen mit sich selbst hält. Diese unausgesprochenen Gedanken gehen oft unmittelbar in ein Gespräch mit anderen Figuren über, sodass die Grenzen zwischen Innenleben, Fantasie und Realität fließend erscheinen. Stilistisch wie inhaltlich ein spannender, innovativer Roman!
Devils Cape - ein Stadt des Bösen, Stadt der Gewalt, Kriminalität, Korruption und des Verrats. Und diese Stadt hat Superhelden, superkräftig, superschnell, superflugfähig, superwandlungsfähig. Dummerweise gibt es auch Superschurken, und alle sind sterblich.... ein Showdown jagt das Nächste, bis zum grossen Finale.
Ein Super-Lesespass für alle Superhelden-Freunde, spannend und völlig verdreht, ein grosses Vergnügen.
Wirklich „Gut“ ist es in Patricks Leben zuletzt wohl auch noch nicht, aber nun, da seine Mutter zu Grabe getragen wird und viele Stimmen sie zu ihrem Abschied besingen oder verfluchen – beides mit Inbrunst – könnte sein eigenes Leben beginnen.
In diesem fünften und letzten Teil der Melrose- Saga lässt St Aubyn nichts vermissen, was seine Fans an ihm schätzen: Kluger, bitterer Sarkasmus in a sad sad song.
Der erfolgreiche Hausarzt Marc Schlosser wird oft und gern zu privaten Unternehmungen seiner Patienten eingeladen. Jene mit leichter Hand ausgesprochenen, gerade zu anbiedernden Angebote, die auf die Ehre seiner, Schlossers, Begleitung abzuzielen scheinen, dienen doch nur den eigenen Zwecken – vielmehr bekommt er durch diese generöse Geste nicht nur seinen (niederen) Platz zugewiesen; man hofft auch, ihn dadurch zum eigenen dienst- und dankbaren Hofstaat zählen zu können.
Schlosser kennt und hasst dieses Spiel und besonders in diesem Fall, da derjenige auf ekelhafte Weise an seiner Frau interessiert scheint. Dennoch, und aus ebenfalls nicht eben schönen Motiven, nimmt er nicht nur eine Einladung zu einer Feier an, sondern willig sogar in einen gemeinsamen Sommerurlaub ein, in dessen Folge Schlosser auf eine zugleich grausame, wie elegante Rache sinnt, die ihn letztendlich selbst fällen muss.
Wie auch schon bei „Angerichtet“ geht es Koch nicht um die Eindeutigkeit des Bösen oder Guten, des moralisch Einwandfreien oder Bedenklichen. Natürlich gibt es auch hier Täter und Opfer, doch tauschen sie immer wieder die Seiten.
Noch spannender, noch eleganter! Herrlich!
Lissabon im 16. Jahrhundert. Der indische Elefant Salomon soll als Geschenk an den Habsburger Kaiser über Valladolid in Spanien nach Wien überführt werden.
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